Der kleine Muck

von Wilhelm Hauff

illustriert von Heiner Rothfuchs

 


Märchen


Der kleine Muck, 1941

(c) Heiner Rothfuchs (Illustrator), Wilhem Hauff (Autor)




aus der Reihe :
Deutsche Volks- und Kunstmärchen


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Der kleine Muck

In Nizäa, meiner lieben Vaterstadt, wohnte ein Man, den man den kleinen Muck hieß. Ich kann mir ihn, ob ich gleich damals noch sehr jung war, noch recht wohldenken, besonders weil ich einmalvon meinem Vater wegen seiner halbtot geprügelt wurde. Der kleine Muck nämlich war schon ein alter Geselle, als ich ihn kannte; doch war er nur drei bis vier Schuh hoch, dabei hatte er eine sonderbare Gestalt, denn sein Leib, so klein und zierlich er war, mußte einen Kopf tragen, viel größer und dicker als der Kopf anderer Leute; er wohnte ganz allein in einem großen Haus und kochte sich sogar selbst; auch hätte man in der Stadt nicht gewußt, ob er lebe oder gestorben sei, denn er ging nur alle vier Wochen einmal aus, wenn nicht um die Mittagsstunde ein mächtiger Dampf aus dem Hause aufgestiegen wäre; doch sah man ihn oft abends auf seinem Dache auf und ab gehen, von der Straße aus glaubte man aber, nur sein großer Kopf allein laufe auf dem Dach umher. Ich und meine Kameraden waren böse Buben, die jedermann gerne neckten und belachten; daher war es uns allemal ein Festtag, wenn der kleine Muck ausging; wir versammelten uns an dem bestimmten Tage vor seinem Haus und warteten, bis er herauskam . . .

. . . "Kleiner Muck, kleiner Muck,
Wohnst in einem großen Haus,
Gehst nur all vier Wochen aus,
Bist ein braver, kleiner Zwerg,
Hast ein Köpflein wie ein Berg;
Schau dich einmal um und guck,
Lauf und fang uns, kleiner Muck!" . . .



aus dem Inhalt des Buches


104 Seiten, gebundene Ausgabe, Fraktur, Format 14,8 x 21,6 cm, 1. Auflage 1941, Rütten & Loening Verlag, Potsdam

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