Die drei Zigeuner

Drei Zigeuner fand ich einmal liegen an einer Weide

 

von Nikolaus Lenau




aus dem Gedichtband :
Nicolaus Lenau - Neuere Gedichte, 1838 — 1. Auflage, Hallberger'sche Verlagshandlung, Stuttgart

Die drei Zigeuner

Die drei Zigeuner

Gedicht (PDF)

Drei Zigeuner fand ich einmal
liegen an einer Weide,
als mein Fuhrwek mit müder Qual
schlich durch die sandige Heide.

Hielt der eine für sich allein
in den Händen die Fiedel,
spielte, umglüht vom Abendschein,
sich ein feuriges Liedel.

Hielt der zweite die Pfeif’ im Mund,
blickte nach seinem Rauche,
froh, als ob er vom Erdenrund
nichts zum Glücke mehr brauche.

Und der dritte behaglich schlief,
und sein Cimbal am Baum hing,
ueber die Saiten der Windhauch lief,
ueber sein Herz ein Traum ging.

An den Kleidern trugen die drei
Löcher und bunte Flicken,
aber sie boten trotzig frei
Spott den Erdengeschicken.

Dreifach haben sie mir gezeigt,
wenn das Leben uns nachtet,
wie man’s verraucht, verschläft, vergeigt,
und es dreimal verachtet.

Nach den Zigeunern lang noch schaun
mußt’ ich im Weiterfahren,
nach den Gesichtern, dunkelbraun,
den schwarzlockigen Haaren.


Worte : 1827-30
Nikolaus Lenau (1802-1850)


Die in den Bünden bekannte Vertonung »Die drei Zigeuner« (1911) stammt von dem deutschen Komponisten Theodor Meyer-Steineg (1873-1936).

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