Seemorgen

Der Morgen frisch, die Winde gut, die Sonne glüht so helle

 

von Nikolaus Lenau




aus dem Gedichtband :
Nicolaus Lenau - Gedichte, 1837 — 3. Auflage, Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, Stuttgart und Tübingen

Seemorgen

Der Lenz

Gedicht (PDF)

Der Morgen frisch, die Winde gut,
die Sonne glüht so helle;
und brausend geht es durch die Flut.
Wie wandern wir so schnelle!

Die Wogen stürzen sich heran:
doch wie sie auch sich bäumen,
dem Schiff sich werfend in die Bahn,
in toller Mühe schäumen:

Das Schiff voll froher Wanderlust
zieht fort unaufzuhalten,
und mächtig wird von seiner Brust
der Wogendrang gespalten.

Gewirkt von goldner Strahlenhand
aus dem Gesprüh der Wogen,
kommt ihm zur Seit' ein Irisband
hellflatternd nachgeflogen.

So weit nach Land mein Auge schweift,
seh' ich die Flut sich dehnen,
die uferlose; mich ergreift
ein ungeduldig Sehnen.

Daß ich so lang euch meiden muß,
Berg, Wiese, Laub und Blüthe! –
Da lächelt seinen Morgengruß
ein Kind aus der Kajüte.

Wo fremd die Luft, das Himmelslicht,
im kalten Morgenlärme,
wie wohl thut Menschenangesicht
mit seiner stillen Wärme!


Worte :
April/Mai 1833 Nikolaus Lenau (1802-1850)
Auf See, während der Rückreise von Amerika, 1833


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