Der Musikant 4

Mürrisch sitzen sie und maulen auf den Bänken stumm

 

von Joseph Freiherrn von Eichendorff




Das Gedicht stammt aus :
Joseph Freiherrn von Eichendorff - Joseph Freiherrn von Eichendorff's Werke - Erster Theil, 1841 — 1. Auflage, M. Simion Verlag, Berlin

Der Musikant 4

Der Musikant 4

Gedicht (PDF)

Mürrisch sitzen sie und maulen
auf den Bänken stumm und breit,
gähnend strecken sich die Faulen,
und die Kecken suchen Streit.

Da komm' ich durchs Dorf geschritten,
fernher durch den Abend kühl,
stell' mich in des Kreises Mitten,
grüß' und zieh' mein Geigenspiel.

Und wie ich den Bogen schwenke,
ziehn die Klänge in der Rund'
allen recht durch die Gelenke
bis zum tieffsten Herzensgrund.

Und nun geht's ans Gläserklingen,
an ein Walzen um und um,
je mehr ich streich', je mehr sie springen,
keiner fragt erst lang: warum?

Jeder will dem Geiger reichen
nun sein Scherflein auf die Hand –
da vergeht ihm gleich sein Streichen,
und fort ist der Musikant.

Und sie sehn ihn fröhlich steigen
nach den Waldeshöhn hinaus,
hören ihn von fern noch geigen,
und gehn all vergnügt nach Haus.

Doch in Waldes grünen Hallen
rast' ich dann noch manche Stund',
nur die fernen Nachtigallen
schlagen tief aus nächt'gem Grund.

Und es rauscht die Nacht so leise
duch die Waldeseinsamkeit,
und ich sinn' auf neue Weise,
die der Menschen Herz erfreut.


Worte : 1823/24
Joseph Freiherrn von Eichendorff (1788-1857)


Die in den Bünden bekannte Vertonung »Der Musikant 4« wurde mündlich überliefert.

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