Seemannsliebe

Über Bremen fiel ein Regen, und ein Mädchen stand allein

 

von Manfred Hausmann




Das Gedicht stammt aus :
Manfred Hausmann - Jahre des Lebens, 1938 — 1. bis 3. Tausend, Suhrkamp Verlag, Berlin



Seemannsliebe

Seemannsliebe

Gedicht (PDF)

Über Bremen fiel ein Regen,
und ein Mädchen stand allein.
Brüder, die See!
Und ein Schifflein kam gefahren,
lenkte in den Hafen ein.
Brüder, die See!

Seine Segel rauschten alle,
rauschten alle wie Papier.
Brüder, die See!
Und ein Seemann liebt viel heißer
als der andern dreie, vier.
Brüder, die See!

Guten Abend, wertes Fräulein.
Guten Abend, liebes Kind!
Brüder, die See!
Ach, Sie müssen hier ja frieren
in dem Regen, in dem Wind.
Brüder, die See!

Und er nahm sie in den Mantel,
nahm sie ganz an seinen Leib.
Brüder, die See!
Und da wurde sie im Regen
eines jungen Seemanns Weib.
Brüder, die See!

Komm doch Morgen Abend wieder,
morgen trifft sich’s wunderbar.
Brüder, die See!
Und dann führ ich dich zum Tanze
mit dem schönen, blonden Haar.
Brüder, die See!

Und als sie am andern Abend
wieder auf das Bollwerk kam,
Brüder, die See!
schwebt das Schiff schon in der Ferne,
setzte Bram und Oberbram.
Brüder, die See!

Und als sie im nächsten Winter
wieder auf das Bollwerk kam,
Brüder, die See!
trug ein Kind sie auf den Armen,
und sie weinte auch vor Gram.
Brüder, die See!

Liebes Gustchen, liebe Tochter,
deine Augen sind so gut.
Brüder, die See!
Möchtest du doch nie erfahren,
wie die Seemannsliebe tut!
Brüder, die See!


Worte :
vor 1938 Manfred Hausmann (1898-1986)


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