Die Hafentore

Da kamen wir bei Nacht von Land zu den drei Hafentoren

 

von Hans Leip




Das Gedicht stammt aus :
Hans Leip - Die Hafenorgel, 1948 — Der kleinen Hafenorgel 3. vermehrte Auflage, Christian Wegner Verlag, Hamburg


Die Hafentore

Die Hafentore

Gedicht (PDF)


Da kamen wir bei Nacht von Land
zu den drei Hafentoren.
Das eine ging nach Tulifant,
das andere nach Schön-Brabant,
das dritte zu den Mohren.

In Tulifant, du weißt Bescheid,
da blüht die Seidenweide.
Das Über-, Ober-, Unterkleid
zu jeder Nacht- und Tageszeit
ist Seide, Seide, Seide.

In Schön-Brabant gehn, welch ein Traum,
die Mädchen ganz in Spitzen.
Das rischelratscht wie Wogenschaum,
und manchmal sieht man’s durch den Saum
wie Morgensonne blitzen.

Doch bei den Mohren geht man nackt,
das scheint mir weit bequemer.
Da tanzt man jetzt den Katerakt,
und sonntags wird man angelackt.
Den Lack kriegt man beim Krämer.

Und kommen wir bei Nacht von Land,
was heißt hier, Zeit verloren.
So laßt uns denn gen Tulifant
und ebenso nach Schön-Brabant
und gleichfalls zu den Mohren!


Worte : 1920
Hans Leip (1893-1983)


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