Tagwerk - Zweiter Teil

Die neuen Lieder aus dem Jahre 2018

 


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30. Januar 2018


» Stereotype Repräsentationen über den Mond
in der Sprache der deutschen Poesie «

— von Dmitrij Sergejew Trynkow —

Moskauer Staatliche Universitat

von 1755

Bei einer Suche im Internet mit der russischen Suchmaschine « yandex.ru » nach meinem Namen stieß ich auf einen kyrillischen Eintrag »Стереотипные представления о луне в языке немецкой поэзии« bei dem "Institut für deutsche Sprachwissenschaft - Fakultät für Philologie - der Moskauer Staatlichen Universität (MSU) - M.V. Lomonossow, Die Leninberge, Moskau, Rußland, 119991". Ein wahrlich langer Titel für eine Abteilung einer Universität. Dieses Suchergebnis machte mich neugierig und ich begann den russischen Text intensiver zu studieren. Als ich mich über den Autor informiert hatte, verstand ich, daß dieser Text ein Teil seiner Dissertationarbeit von 2010 war. D.S. Trynkow hatte einige Semester in Deutschland studiert, und war somit in der deutschen Sprache ausgezeichnet unterrichtet. Im Jahr 2007 absolvierte er die Philologische Fakultät der Moskauer Staatlichen Universität. Sphäre seiner wissenschaftlichen Interessen waren : linguistische Semantik, Semasiologie, Metapherntheorie, Theorie der Sprachstereotypen.
Dieser Aufsatz behandelt die Stereotypen in ihrer Beschreibung des Mondes in der deutschen Poesie. Anscheinend war das seinerzeit ein Forschungsgebiet von Trynkow gewesen. Stereotype sind in der Sprachwissenschaft von großem Interesse, eingeführt wurde der Fachbegriff 1922 von dem Amerikaner Walter Lippmann (1898-1974) in seiner Arbeit "Public Optinion" (Öffentliche Meinung).

 
 

New Moon, 1989

(c) Sue Colemann, Kanada

Weshalb erwähne ich diese Dissertation jetzt auf meiner Tagwerk-Seite? Beim genaueren Studium des russischen Artikels aus dieser Dissertaion des Dozenten Дмитрий Сергеевич Трынков stieß ich verblüffenderweise auf Seite 92 als typisches Beispiel für die Darstellung des Mondes in der deutschen Lyrik auch auf folgenden Zitateintrag :

"... Steht am Himmel hoch der fahle Mond.
(Jürgen Sesselmann, Die Nachtschwärmer) ..."


Ich war doch sehr erstaunt, mich dort mit einem Liedtext (Auszug) im Kreise so namhafter deutschsprachiger Lyriker, einige mir bekannte Namen habe ich oben aufgelistet, wiederzufinden. Daß ich im deutschen Sprachraum in bestimmten Kreisen nicht unbekannt bin, wußte ich, aber im Ausland, und noch dazu bei Forschenden aus dem russischen Sprachraum, erfuhr ich hier zum ersten Male. Daß mein Sprachgebrach im Gedicht so typisch dem deutschen Stereotyp entspricht, daß er als ein Beispiel angeführt wurde, war für mich ebenso überraschend.

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Wer eine Software-Übersetzung des russischen Artikels möchte, wende sich per Mail an mich. Da ich nicht weiß, welche Fehler sich darin vielleicht verbergen, stelle ich die Übersetzung nicht ins Internet.


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zur Malerin
>>> Biographie : Sue Coleman


—> russ. Seite mit Teil der Dissertation von Дмитрий Сергеевич Трынков

—> Download (PDF) [167 KB] des 9-seitigen russischen Artikels


Nachtschwärmer - Steht am Himmel hoch der fahle Mond / CD 2



22. Januar 2018


Winter in der Stadt, 2015

(c) Piotr Olech, Polen

"... wie hat nur solche Wüste Platz in meines Hirnes enger Kammer? Die Welt ist eine große Katz', und ich trag ihren ganzen Jammer ..." Die beiden Gedichte "Morgendlicher Weltschmerz" und "Trinkspruch", die ich für diese Lied verwandt habe, hatte Joseph Victor von Scheffel noch während seiner Studentenzeit in Heidelberg geschrieben. Daß ich zwei verschiedene Gedichte in einem Lied verwandte, geschah für mich hier zum ersten Male. Beide Gedichte waren mit zwei Strophen doch sehr kurz für ein Lied und da beide thematisch sehr eng beieinander lagen, kam ich auf diese ungewohnte Idee. Bei der Melodie merkte ich auch schnell, daß ich mit den vier Zeilen eines Verses aus "Morgendlicher Weltschmerz" alleine nicht auskam, deshalb kamen mir die drei Zeilen von "Trinkspruch" doch sehr gelegen. So habe ich diesmal zwar nur ein kurzes Lied mit zwei Strophen, doch die eingängige Melodie macht die Kürze wieder wett. "... der wahre Mensch trinkt immerdar so viele Tag es gibt im Jahr: Dreihundert Fünfundsechzig! Dreihundert Fünfundsechzig Tag! ..."

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>>> Biographie : Piotr Olech


Katzenjammer - O süßen Trunkes bittrer Lohn / WS 19



20. Januar 2018


Winterlandschaft 1, 2015

(c) Piotr Olech, Polen

"... heidi, heida, ein froher Lump erobr' ich mir die Welt. Ich zieh die Kreuz und Quer herum und bleib', wo mir's gefällt ..." Diesmal vertonte ich ich witzige Jugendverse von Joseph Victor von Scheffel, die in keinem seiner Gedichtbände veröffentlicht worden waren. Scheffel hatte sie nur in der Kunst- und Satirezeitung "Fliegende Blätter", die von 1844 bis 1944 erschienen war, veröffentlicht. Eine Ausgabe enthielt immer eine Vielzahl an Gedichten und eine Fülle an schwarzweiß Illustrationen, unter denen auch Spitzweg zu finden ist, war sie doch eine ideale Plattform für jeden noch wenig bekannten Künstler. Für mich ein Fundus an recht unbekannten Versen des Dichters. Ob der Kürze der einzelnen Verse von Glaubenbekenntnis, das ich ich in "Scheffels Credo" umbenannt hatte, fällt das Lied auch recht kurz aus. Eine Zusammenlegung von zwei Versen war diesmal keine Option, da Scheffel fünf Verse geschrieben hatte und ich wollte keinen Vers streichen oder doppelt verwenden. Die Melodie ist recht einprägsam und somit auch leicht erlernbar. "... beim Sonnenscheine streif' ich weit durch Berge oder Tal, und wenn es stürmt, so find ich ja ein Wirtshaus überall ..."

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Scheffels Credo - Heidi, heida, ein froher Lump / WS 19



16. Januar 2018


Störrisch wie ein Esel, 2011

(c) Piotr Olech, Polen

"... da soll ich von den Lenzgewittern der frischen Jugend endlich ruhn, ein Weib mir nehmen, Kinder füttern und still und fromm und häuslich tun ..." Diese ehrlichen, zornigen Verse stammen von Moritz, Graf von Strachwitz, der diese 1841 als 19jähriger Abiturient niedergeschrieb, als er erfahren hatte, daß er Jura studieren müsse, und nicht wie von ihm gewünscht Literatur oder Geschichte. Da das Geld für das Studium von seinen Eltern kam, bestimmten diese seinen Werdegang mit dem Argument, daß dieser Studienzweig später für ein gutes Auskommen sorgen würde. Ihn aber interessierte nicht eine noch ferne Zukunft, sondern er wollte am liebsten sofort fremde Ländern durchreisen. Also Wünsche, die uns selber nicht fremd sind, um so mehr bewundere ich seinen Freigeist, der mir persönlich doch so ähnlich war. So kann ich seine Frustration besonders gut nachempfinden, da offener Widerspruch in jenen Tagen eher unüblich war, und ihm somit dieser Weg garnicht zu Verfügung stand. "... laßt vor der Hand mich ungeschoren, Philister bleibt vom Kopf zum Fuß, und weil ich nicht dazu geboren, so will ich's sein erst, wenn ich muß ..."

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Feierlicher Protest - Ihr schwatzt mir viel von Lebenszwe/WS19



8. Januar 2018


Lustige Fahrt 3, 2011

(c) Piotr Olech, Polen

"... mein Hutschmuck die Rose, mein Lager im Moose, der Himmel, der Himmel mein Zelt ..." Der Ton dieser Verse von Joseph Victor von Scheffel trifft genau jene Stimmung, die wir selber auf Fahrt in uns spüren. Dabei entstanden diese Zeilen 1849, aber Scheffel war selber ein Wanderer, der dafür sogar seine juristische Tätigkeit am Gericht sausen lies. Ihm war das Wandern durch die deutschen Lande wichtiger, als sein beruflicher Erfolg. Etwas, das außer uns, wohl niemand mehr so richtig zu verstehen weiß. Gilt das Vorankommen im Leben so viel mehr, als die wahren Bedürfnisse eines Menschen? Wiegt die Lohntüte soviel mehr, als das Glück des Einzelnen? Zum Glück stehe ich mit diesem seltsamen Ansinnen nicht gänzlich alleine da, so besteht zumindestens noch ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Zukunft in unserem Land. "... mag lauern und trauern wer will, hinter Mauern, ich fahr', ich fahr' in die Welt ..."

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Ich fahr' in die Welt - Berggipfel erglühen, Waldwipfel / WS 19



6. Januar 2018


Herbstliche Melancholie, 2016

(c) Piotr Olech, Polen

"... liebster Schatz, nun sei getrost, traure nicht um's Scheiden, hab' das Wandern nun erlost, und du mußt es leiden ..." Otto Roquette versteht es auf wundervolle Weise die Trennung von einem geliebten Mädchen zu erzählen. Als die Liebe zu ihr erloschen war, zieht der Bursch auf die Wanderschaft und läßt die traurige Maid zurück. Er tröstet sie damit, daß es ganz normal wäre, da ja die ganze Welt um sie herum auf Wanderschaft wäre. Dauernd würde es neue Abschiede und neue Anfänge geben. Am Ende zeigt er ihr einen Hoffungsschimmer, sie würde ja bald einen Anderen finden. "... sieh, der Mai ist vor der Tür, laß die Augen wandern! Komm ich einst zurück zu dir, hast du längst 'nen Andern ..."

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Scheiden ohne Leiden - Liebster Schatz, nun sei getrost / WS 20



1. Januar 2018


Der lachende Pole, 1875

(c) Wojciech Kossak, Polen (1856-1942)

"... es war ein Kommissary, der soff bei Tag und Nacht, er hatt' 'nen Sekretary, hat's ebenso gemacht ..." Trotz ihrer Schlichheit und deren Witz sind die Verse von Joseph Victor von Scheffel doch etwas Besonderes, beschreiben sie hier einen bedeutsamen Augenblick in der deutschen Geschichte. Er war kurz vor seinem Juraexeman als Legationssekretär mit dem Juisten und badischen Bundestagsgesandten der Frankfurter Nationalversammlung des Deutschen Bundes, Karl Theodor Welcker, auf Verhandlungsreisen unterwegs. In Frankfurt im Mai 1848 versandte er dann einen Brief an seine Heidelberger Studentenfreunde mit diesem Gedicht. Ihn stieß die Art des Handels und Denkens in der damaligen Politik ab, je mehr er davon zu Gesicht bekam. Nach dem Motto: Viele Reden und wenige Taten. Gerade bei so einer gewichtigen Aufgabe der Einigung der Einzelstaaten zu einem vereinten Deutschland. Mit eigenen Worten umschreibt er ihr Tagesgeschäft :

"An solennen (festlichen) Frühstücken und Abendessen, Empfang mit Hurrah und Musik und mannigfachem Ulk hat's nicht gefehlt."

Daß er der im Gedicht beschriebene Sekretary selber war, hebt dieses Gedicht dann noch besonders hervor, denn gutem Feiern mit Trank und Gesang war er durch seine Studentenzeit garnicht abgeneigt, eher das Gegenteil. Doch Feiern war für ihn das eine und Arbeit etwas anderes. Das war und blieb deshalb Scheffel's einziger Ausflug in die Politik. "... Depeschen, Brief' und Akten macht' ihnen wenig Müh', sie kneipten und tabakten von spät bis Morgens früh ..."

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Der Kommissary - Es war ein Kommissary / WS 18



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Jürgen Sesselmann (mayer)
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